Sie kommen (vielleicht) doch noch zusammen

Hinterlasse einen Kommentar

HbbTV – Hybrid broadcast broadband TV – so nennt sich die neue gesamteuropäische Anstrengung, um Internet und Fernsehen doch noch zusammenzubringen. Und zwar auf ein Ausgabegerät, damit der Zuseher nicht wie jetzt vom Fernseher zum Computer mit Internetanschluss wechseln muss, wenn er er zum Beispiel eine Fernsehsendung verpasst hat und sie auf dem on-demand-Portal der Rundfunkstation (TVthek des ORF, Mediathek des ZDF, etc.) ansehen will.
HbbTV will die Inhalte von Rundfunk und Internet verknüpfen. Wie das geschehen geschehen soll, wird im entsprechenden Wikipedia-Eintrag so beschrieben:

„In das Rundfunksignal [wird] eine Signalisierung eingefügt (AIT-Tabelle). Diese AIT-Tabelle wird vom Empfänger ausgelesen, und enthält in der Regel eine URL auf eine spezielle HTML-Seite, die über die Internetverbindung geladen wird. Diese HTML-Seiten werden gewöhnlich mit Hilfe der roten Farbtaste der Fernbedienung sichtbar geschaltet.Damit lassen sich TV-Editionen der Mediatheken starten, damit Sendungen zeitversetzt vom Zuschauer abgerufen werden können. Auch für den Teletext ergeben sich mit Optionen für Abbildungen und Grafiken sichtlich bessere Darstellungen im Zeitalter des hochauflösenden Fernsehens. Die HTML-Umgebung ermöglicht dabei eine ganze Reihe von neue Funktionalitäten: Ein verkleinertes Fernsehbild kann in HTML-Seiten integriert werden und von der HTML-Seite kann direkt auf ein anderes Fernsehprogramm umgeschaltet werden. Darüber hinaus lassen sich synchron zum Fernsehprogramm Menüfunktionen und Nachrichtenticker transparent über das laufende Fernsehbild legen.“

Nach Angaben auf der Website der HbbTV-Initiative unterstützen namhafte Provider wie Astra und Eutelsat, Broadcaster wie die französische Canal+-Gruppe, Netzwerkexperten wie Cisco, Erzeuger von Settop-Boxen wie Humax und Consumer Electronic wie Sony den neuen Standard. Humax bietet bereits einen Receiver an, der den Anwender laut Produktbeschreibung nicht nur durch die Fernsehprogramme, sondern auch durchs Internet surfen lässt.

HbbTV ist bereits im Dezember 2009 zur Standardisierung eingereicht und wurde auch schon bei der Internationalen Funkausstellung 2009 vorgestellt. „2010 wir das Jahr von HbbTV werden“, formuliert das Hamburger Technologie-Unternehmen TEVEO, ein Mitglied der HbbTV-Initiative euphorisch.

Unbestritten ist, dass die benutzerfreundliche Verbindung von Fernsehen und Internet längst überfällig ist. Zur Vorsicht vor allzu überschwänglichen Erwartungen an HbbTV besteht allerdings Anlass, bevor nicht die Konsumenten in ausreichender großer Zahl ihre Bereitschaft bekundet haben, von der Verschränkung von Fernsehen und Internet ebenso begeistert zu sein wie die Wirtschaft. Spätestens nach der Ernüchterung bei MHP – der Standard sollte vor Jahren zu mehr Interaktivität im Fernsehen beitragen, konnte sich aber nicht durchsetzen – ist diese Vorsicht angebracht.

Advertisements

Social Media und Journalisten

Hinterlasse einen Kommentar

Den Journalisten wird – positiv formuliert – ein gespaltenes Verhältnis zu Social Media nachgesagt. Da werde nur belanglos geplaudert: „Was interessiert mich, welches Frühstück jemand gegessen hat“, sagte einer meiner Kollegen kürzlich und meinte, diese Zeit verschwendende Überflüssigkeit werde in ein paar Jahren ohnedies wieder verschwunden sein.

Social-Media-Plattformen boomen

Da dürfte mein Kollege irren: Facebook hat weltweit schon mehr als 400 Millionen eingetragene Benutzer. In Österreich sind es auch schon 1,4 Millionen. Twitter hat sich mittlerweile schon mehrfach als Zulieferkanal für (nicht geprüfte) Information für Berichterstattung bewährt. Second Life ist zwar in der medialen Versenkung verschwunden. Ungeachtet dessen hat die Zahl jener zugenommen, die die virtuelle Welt besuchen.

Studie: 82 % nutzen Social Media

Deshalb ist auch die Frage interessant, wie die Journalisten mit Social Media umgehen. Für Österreich haben diese Aufgabe – zumindest was den quantitativen Aspekt betrifft – die PR- und Lobbying-Agentur ikp und das Fachmagazin „Der Österreichische Journalist“ übernommen. Sie haben in einer Studie Journalisten über ihren Umgang mit Social Media befragt. 545 haben sich an der Onlineumfrage beteiligt.

Überrascht hat mich, dass 82 % der Studienteilnehmer angaben, sie seien auf einer Social-Media-Plattform vertreten. Ich hätte eine geringere Zahl vermutet – vor allem in den Altersgruppen 40 – 49 Jahre (71 %) und bei den über 50-jährigen Journalisten (68 %). Dass 95 % der unter 29-Jährigen mit mindestens einer Social-Media-Plattform verlinkt sind, überrascht hingegen nicht.

Facebook ist klarer Favorit

Bei den Plattformen geben die Journalisten eindeutig Facebook den Vorrang (79 %) vor Xing (69 %), Twitter (30 %) und YouTube (27%). 53 % der Befragten geben an, dass sie Facebook täglich nutzen; 57 % tun dies sowohl beruflich als auch privat. Diese Dominanz von Facebook nicht nur unter den befragten Journalisten ließ den Marktforscher Günter Brandstetter von 3MfB bei der Studienpräsentation vermuten, dass die anderen vergleichbaren Plattformen in den nächsten Jahren bedeutungslos würden.

Bei den Motiven, warum Journalisten Social-Media-Plattformen nutzen, liegt der Ausbau und die Pflege des persönlichen Netzwerks mit 60 % voran. Für Recherchezwecke nutzen sie 36 %, um Themen für die Berichterstattung zu finden 35 %. Vergleichsweise bescheiden nimmt sich die Zahl derer aus, die angeben Social-Media-Plattformen für Kontakte zum Publikum einzusetzen (25 %) oder das kollektive Wissen der User für die journalistische Arbeit zu nutzen (crowsourcing: 4 %).

Blogs – Stiefkinder der Journalisten

Bescheiden nimmt sich auch das Verhältnis der befragten Journalisten zu Weblogs aus: Nur 16 % führen selber einen Blog; 26 % geben an Blogs zu beobachten. 68 % der Befragten haben mit Blogs überhaupt nichts am Hut.

Abschließend merkten die Studienautoren bei der Präsentation der Ergebnisse an, dass mehr Journalisten (82 %) Social-Media-Plattformen nutzen als die Durchschnitts-Österreicher (70 %).

Nachtrag am 7.5.2010:
Habe heute einen Link gefunden, unter dem die gesamte Studie abgerufen werden kann.

gefunden & notiert am 30.12.2009

Hinterlasse einen Kommentar

Die Multimedia-Illustrierte INFOSAT berichtet über die Marktanteile 2009 von Deutschlands Fernsehsendern (im Vergleich zu 2008). Grundlage dafür sind die Zahlen der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg bei den Gesamtzuschauern ab drei Jahren:

1. ARD……………. 12,7 % (- 0,7 %)
2. RTL……………. 12,5 % (+ 0,7 %)
….ZDF……………. 12,5 % (- 0,6 %)
4. Sat 1…………… 10,4 % (+ 0,1 %)
5. Pro Sieben…….. 6,6 % (0,0 %)
6. VOX……………… 5,4 % (0,0 %)
7. Kabel eins……… 3,9 % (+ 0,3 %)
….RTL 2……………. 3,9 % (+ 0,1 %)
9. Super RTL………. 2,5 % (+ 0,1 %)

[Link]

gefunden & notiert am 29.12.2009

Hinterlasse einen Kommentar

In der Neuen Zürcher Zeitung schreiben Werner A. Meier und Pascal Zwicky, Mitarbeiter am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich, dass nicht die Medien sondern der Journalismus finanziell gefördert werden sollte. Denn der Journalismus als soziale Institution moderner Gesellschaften steht zurzeit unter besonderem Druck. [Link]

„Der Streit um die angekündigte „Tagesschau“-App für das iPhone hat einen neuen Höhepunkt erreicht: „Bild“ macht das Thema sogar zum Aufmacher. Kampagnen-Journalismus vom Feinsten“, schreibt das Medienmagazin DWDL.de. [Link]

„Auch wenn man es nicht mehr hören kann: Wenn es ein Wort des Jahres gäbe, das am besten die Situation der Medienbranche im Jahr 2009 zusammenfasst, dann wäre es eindeutig: Krise, Krise, Krise …“ So beginnt Michael Meyer seinen Rückblick auf das Medienjahr 2009 im Deutschlandradio. [Link]

Der Standard berichtet, dass die Tageszeitung „Österreich“ die Ausgabe von Sonntag, dem 27. Dezember, bereits vor Weihnachten vollständig vorproduziert habe. Bemerkenswert sind die Forumseinträge zu dieser Nachricht. [Link]


Warum darf die Tagesschau nicht aufs iPhone?

Hinterlasse einen Kommentar

n Streit stört den Weihnachtsfrieden in der deutschen Medienszene: „Ein gebührenfinanziertes Gratisprogramm der ARD-Tagesschau für das iPhone schadet nach Ansicht des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) der Medienbranche in ihrer Umbruchphase“, schreibt Spiegel Online: „Die ARD plant, ihre Online-Inhalte im neuen Jahr in einem kostenlosen Dienst für das Apple-Mobiltelefon und andere Smartphones zur Verfügung zu stellen.“

Die Befürchtungen der Zeitungsherausgeber

Die Zeitungsherausgeber befürchten, dass kostenlose Angebote von öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen, wie die ARD-Tagesschau, den Erfolg der kostenpflichtigen Nachrichtenangebote von Zeitungen bedrohen könnten. „Wenn sich bezahlte Applikationen auf mobilen Geräten nicht durchsetzen, wird dies Tausende Arbeitsplätze in der Verlagsbranche kosten“, sagte etwa der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, dem Magazin „Focus“. Zwei Zeitungen aus dem Springer-Verlag bieten seit Dezember 2009 kostenplichtige Apps für das iPhone an. Der mobile Dienst kostet bei „Bild“ zum Einstiegspreis 79 Cent pro Monat.

Tatsächlich ein Bedrohungsszenario?

Der ARD ergeht es wie den meisten öffentlich-rechtlichen Sendern, wie auch dem ORF: sie verliert Zuseher. Der Marktanteil der „Tagesschau“ im Ersten hat sich zwischen 2005 und 2008 von 20,6 % auf 19,0 % verringert. Fernseh-Zuseher wandern ins Internet ab, genauso wie Zeitungsleser ins Internet abwandern.

Da ist es doch nur folgerichtig, wenn die ARD versucht ihren Rezipienten ins (mobile) Internet zu folgen. Zumal sich die Nachrichtenleute des öffentlich-rechtlichen Senders im Internet schon eine respektable Reputation aufgebaut haben. Und wenn – zumindest für den juristischen Laien – kein Widerspruch zu den restriktiven Bestimmungen des Paragraphen 11d des Rundfunkstaatsvertrags zu erkennen ist.

Legitimationskrise durch Internetabstinenz

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat – ob zu Recht oder zu Unrecht sei in diesem Zusammenhang dahin gestellt – in der Diskussion um die letztlich erfolgreiche Absetzung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender mit Quotenverlusten bei den Nachrichtensendungen des Öffentlich-Rechtlichen argumentiert. Der Legitimationskrise – alle zahlen Rundfunkgebühren, immer weniger sehen die Programme – wollen die öffentlich-rechtlichen Sender mit Nachrichtenangeboten dort entkommen, wo die potenziellen Rezipienten sind. Sie handeln sich dafür den Vorwurf ein, das Bedrohungsszenario für den Printbereich zu sein.

Keine Tagesschau auf dem iPhone – höhere Zahlungsbereitschaft?

Springer-Chef Döpfner sowie andere Kritiker aus der Medienbranche und der Medienpolitik am ARD-Plan, die Tagesschau als iPhone-Applikation anzubieten, haben offenichtlich kein Vertrauen; weder in die Qualität der eigenen Produkte noch in die Bereitschaft der Online-User für entsprechende Inhalte zu bezahlen. Unverständlich bleibt Herr Döpfners Zuversicht, dass Online-User mehr Bereitschaft zeigen sollen, für das App von „Bild“ zu bezahlen, wenn die „Tagesschau“auf dem iPhone verhindert wird. Der sparsame Nachrichtenkonsument wird sich dann wohl – auf dem iPhone wie auf den Mobiltelefonen anderer Hersteller – mit den kostenlosen, fürs mobile Internet optimierten Nachrichtenangeboten bescheiden, wie sie „Bild“ und viele andere Printprodukte schon jetzt anbieten.

Oder werden diese kostenlosen Angebote der Zeitungen mit den kostenlosen iPhone-Apps dann abgeschafft, damit sie den Herausgebern nicht ebenso Konkurrenz machen wie das geplante iPhone-App der Tagesschau ?

Politik und Medien haben das Internet verschlafen

Hinter all dem Gezeter um das Vorhaben der ARD steckt die trügerische und durch nichts begründete Hoffnung, dass kostenpflichtiger redkationeller Inhalt nach X gescheiterten Versuchen 2010 doch noch ein tragfähiges Geschäftsmodell werden könnte. Angesichts der Diagnose des wiener Kommunikationswissenschafters Hannes Haas, dass Medienpolitik und -branche das Internet verschlafen haben, wirkt das Geschrei der deutschen Printmanager gegen den ARD-Plan wie ein Manöver, dass von der eigenen Unfähigkeit ablenken soll, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Kostenpflichtige Inhalte sind alter Wein in neuen Schläuchen. Die potenziellen Zahler, die iPhone-Besitzer, werden den Wein wohl als alt erkennen und ihn nicht bestellen.

Das bedrohliche Kleben an überkommenen Strategien

Hätten die Pferde-Fuhrleute zu Beginn des 20. Jahrhunderts so argumentiert wie die Medienmanager heute, dann hätten die Fuhrleute von der Politik wohl ein Fahrverbot für das neue Fortbewegungsmittel Auto auf Überlandstrecken und überhaupt eine generelle Geschwindgkeitsbeschränkung auf 10 Kilometern pro Stunde verlangt, nur damit die Pferdefuhrwerke konkurrenzfähig mit dem Benzin betriebenen Automobil bleiben. Sie hätten stur an den Jahrhunderte lang überlieferten Geschäftsmodellen der Pferdefuhrwerk-Branche festgehalten. Nach wie vor Hafer statt Benzin, Hufschmied statt Automechaniker.

Die Manager der „alten“ Massenmedien sollten sich Statistiken über die Entwicklung der Zahl von Pferdefuhrwerken und der Zahl von Lastwagen seit Erfindung des Automobils ansehen.

Warum ich mich in diesem Blog so ausführlich mit der Diskussion über das Tagesschau-iPhone-App auseinandersetze.

Der Onlinedirektor des österreichischen öffentlich-rechtlichen ORF hat noch vor Weihnachten angekündigt, dass er für 2010 eine Applikation plane, die „Zeit im Bild“, das österreichische Pendant zur „Tagesschau“, aufs iPhone zu bringen. Die Reaktion des „Verbandes Österreichischer Zeitungen“ (VÖZ) steht noch aus.

Nachtrag am 29.12.: Die Debatte über das kostenlose „Tagesschau“-App fürs iPhone spitzt sich zu: Die Bildzeitung, Speerspitze im Kampf gegen das Vorhaben der ARD, macht das Thema zum Aufmacher im Blatt.

Nachtrag am 31.12.: Zwei lesenswerte Blogposts (samt Kommentare) zum Thema von Richard Gutjahr und Ulrike Langer.

Online mehr Information als im Fernsehen

Hinterlasse einen Kommentar

ZAPP, das Medienmagazin des NDR, hat mit seinem kritischen Blick auf die deutsche Medienlandschaft Vorbildcharakter und ist einzigartig in der deutschsprachigen Fernsehlandschaft. Nun ist ZAPP auch Vorreiter bei der längst überfälligen Öffnung des klassischen Fernsehens in Richtung Zusatznutzen für den Zuschauer.

Umfassend erweiterte On-Demand-Version

Was in der originalen, also in der Fernsehversion des Magazins, nicht möglich ist, bieten die Macher von ZAPP in der Video-on-Demand-Version. Wenn etwa Bodo Hombach, der Geschäftsführer der „WAZ Mediengruppe“ im Beitrag „Verlage in der Krise“ in der ZAPP-Ausgabe vom 6. Dezember 2009 sein Statement zu den Personaleinsparungen in den Redaktionen abgibt, erscheint im rechten oberen Bilddrittel ein stilisierter Filmstreifen, als Icon für „Achtung, hier gibt es auf Mausklick Zusatzinformation“. So können Interessierte statt der wenigen Sekunden Originalton ein 23-Minuten-Interview mit Bodo Hombach sehen.

Links auf Videos und Websites

Insgesamt 14 Links innerhalb des zehn Minuten langen Beitrags bieten zusätzliche Information, in Form von Interviews der OT-Geber in Langform, anderen Fernsehbeiträgen zum Thema oder als Links auf relevante Websites im Internet.

Das Prinzip der unterschiedlichen Informationstiefe wird konsequent durchgezogen – ohne den Zuseher zwangszubeglücken: Wer will, kann die Zusatzinfos aufrufen; wer will, kann den Beitrag ohne Zusatzinfos wie im klassischen Fernsehen ansehen – und am Ende über einen Klick auf ein Symbol im Mediaplayer die Zusatzinfos gesammelt aufrufen.

Mehr als ein Prestigeprojekt?

Dieses Angebot scheint mir ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung zu sein, um das Beste aus den Welten von Fernsehen und Internet zu verbinden: die hohe Qualität der Berichterstattung beibehalten und gleichzeitig individuell nutzbare Zusatzinformation anbieten.

Bleiben zwei Fragen: Bewegt sich der Aufwand für das Auffetten des klassischen Fernsehbeitrags um interaktiv nutzbare Zusatzinfos in einem Rahmen, dass solche Beiträge nicht nur fürs Image des Senders, sondern im tagtäglichen Betrieb produziert werden können? Und: Wann wird es endlich die passenden konvergenten Fernsehgeräte geben, damit der User nicht wieder an den Computer wechseln muss, um solche Beiträge nutzen zu können?

Anspruch und Wirklichkeit

Hinterlasse einen Kommentar

In diesem Herbst wird viel nachgedacht über und viel gefordert für den Qualitätsjournalismus. Im Herbst haben die Medienmanager, Medienfachleute und Medienvordenker offensichtlich Zeit, um sich mit dem auseinander zusetzen, was gerne unter Medienkrise subsumiert wird: Rückgang bei den Werbeeinnahmen, Abwanderung der Rezipienten von den alten Medien, Verfall der Qualität in den journalistischen Produkten …

Der Anspruch der Idealisten …

So folgten 7000 der euphemistischen Abkürzung MUT (Medien und Transformation) zu den Münchner Medientage. Vor allem den Printmedien empfahlen die Fachleute, sie mögen sich doch auf die zentralen Elemente des Qualitätsjournalismus besinnen, auf gründliche Recherche, Analyse und Hintergrundberichterstattung. Am selben Tag berichtete newsroom.de, dass viele Verlage mit weiteren Sparmaßnahmen auf die Medienkrise reagieren werden – nach einer Studie wolle die Hälfte der befragten Medienhäuser Redaktionen zusammenlegen.

Weniger Redakteure erledigen gleich viel Arbeit wie bisher – diese Tatsache steht im krassen Widerspruch zu der Forderung bei den Medientagen, die Redaktionen mögen sich auf die Elemente des Qualitätsjournalismus besinnen: gründliche Recherche, Analyse und Hintergrundberichterstattung. Der Anspruch der Medientheoretiker und mancher Journalisten und Wirklichkeit der Medienmanager klaffen weit auseinander.

… und die Wirklichkeit der Medienmanager

Das gilt nicht minder für die Ausführungen beim Herbstforum der „Initiative Qualität im Journalismus„. „Journalisten müssten selektieren, erklären und profiliert deuten“, werden beim IQ-Herbstforum die Eckpfeiler des Qualitätsjournalismus formuliert. Und wieder schlägt sich der Anspruch mit der Wirklichkeit. Drei Wochen später, beim „Monaco Media Forum„, nämlich argumentiert Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Konzerns, in einer Diskussion mit Arianna Huffington: „Die Journalisten machen ihren Job nicht gut genug.“

Döpfner lieferte auch gleich die Erklärung mit, was aus seiner Sicht guter Journalismus ist: Es gebe nicht viel, was die Leute wirklich interessiere, sagte er: „Im wesentlichen sind das Sex und Crime“. Diese Geschichten müssen laut Döpfner gut erzählt und konsumentenfreundlich aufbereitet mit einfachen Bezahlsystemen zur Verfügung gestellt werden. Dann funktioniert seiner Meinung auch Paid Content.

Von den Ansprüchen der Verfechter des Qualitätsjournalismus als Ausweg aus der Medienkrise sind diese Aussage weit entfernt. Wenn es nach den Aussagen bei den Medientagen in München geht, stellt uns diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit vor ein gesellschaftspolitisches Dilemma. Dort wurde nämlich einmal mehr festgestellt, dass sich nur durch Qualitätsjournalismus dauerhaft eine Öffentlichkeit herstellen lasse, die eine unverzichtbare Basis für die Demokratie und den Zusammenhalt in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft darstelle.

Die mediale Wirklichkeit sind aber noch allzu oft Beiträge im Sinne Döpfners inhaltlichem Bekenntnis. Wie dieser, der bei RTL-„Explosiv“ über die Wahl der „Miss Obdachlos“ in Brüssel ausgestrahlt wurde.

Older Entries Newer Entries