Das Wichtigste ist bei der Wahrheit zu bleiben

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Ernst Ulrich von Weizsäcker ist DER  international renommierte Vordenker für nachhaltiges Wachstum. In seinem jüngsten Buch mit dem Titel „Faktor fünf“ präsentieren er und seine Mitautoren das Konzept einer zukunftssicheren, umweltverträglichen Wirtschaftspolitik. Weizsäcker  fordert, dass die Rohstoffe fünfmal besser genutzt werden müssten als bisher. Dadurch lasse sich ein deutlicher Zuwachs an Wohlstand und Lebensqualität herbeiführen. Dieses ehrgeizige ökologische Ziel sieht Weizsäcker als wegweisend für den technologischen Fortschritt und für nachhaltiges Wachstum.

Mitte Juni stellte sich Ernst Ulrich von Weizsäcker im ORF-Landesstudio Salzburg in einer Veranstaltung der Salzburger.Zukunfts:Dialoge der Diskussion. Anschließend fragte ich ihn in einem kurzen Interview über sein Verhältnis zum Journalismus und über die Rolle, die er Journalisten auf dem Weg zu einer klimaschonenden Gesellschaft zuweist:

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Äpfel mit Birnen vergleichen

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„Twitter hat versagt“, schreibt Henrik Schmitz, Kultur- und Medienredakteur bei evangelisch.de. Er begründet auch umfassend, warum er zu dieser Einschätzung kommt:

„Bei der Geiselnahme von Leipzig hatte die Mikroblogging-Plattform die Gelegenheit zu beweisen, dass sie mehr kann als etablierte Verlage und Rundfunkanstalten: Liveberichterstattung aus vielen Blickwinkeln und dazu Hintergrundinformationen, zusammengetragen von der Vielzahl der Nutzer. Stattdessen gab es Raunen im Walde, Fehlinformationen und Werbung – valide Informationen lieferten professionelle Journalisten.“

Redakteur Schmitz unterliegt einem grundlegenden Irrtum: Twitter ist keine Redaktion, die im journalistischem Wettstreit mit einem Medium liegt; Twitter ist ein Vertriebskanal wie Radio oder Fernsehen.

Twitter transportiert Informationen, jeweils maximal 140 Zeichen lang. Twitter lässt nicht nur Journalisten Tweets verschicken. Auf der Plattform twittern Lifestyle-Exhibitionisten Angaben über ihre tägliche Ration Müsli, ebenso Experten wie mashable ihre Tipps zu Social Media, aber auch Nachrichtensender wie CNN ihre breaking news.

Nein, Twitter hatte keine Gelegenheit zu beweisen, dass es mehr kann als etablierte Verlage und Rundfunkanstalten! Individuen, die Twitter als Verbreitungskanal für ihre Informationen benutzen, hätten die Gelegenheit dazu gehabt. Ist offensichtlich nicht geschehen – dafür ist aber Twitter nicht verantwortlich zu machen. (In einem anderen Fall, bei der Notlandung von US Airways Flug 1549 im Hudson in New York ist das durchaus gelungen.)

Twitterer PaganFolk irrt, wenn er triumphierend postuliert, dass Twitter immer einen Schritt voraus sei. Einzig ein Twitterbenützer hätte den etablierten Medien einen Schritt voraus sein können, wenn er glaubwürdige und verlässliche Informationen zum Ereignis vermittelt hätte.

Redakteur Schmitz irrt, wenn  er von einem Punktesieg professioneller Journalisten gegen Twitter schreibt. Denn dieses Match hat nie stattgefunden. Redakteur Schmitz vergleicht Äpfel mit Birnen, weil er einen Vergleichskampf zwischen journalistischem Inhalt und technischem Verbreitungskanal herbei schreibt. Eine unmögliche Paarung.

Hier läuft einmal mehr die kindische und völlig überflüsige Wadlbeißerei ab zwischen

  • einem User, der – aus welchen Gründen auch immer – die journalistische Kompetenz in Zeiten von Social Media offensichtlich für entbehrlich hält und
  • einem Journalisten, der ebenso offensichtlich nicht wahrhaben will, dass Social Media nicht die Feinde, sondern eine Zukunftschance für den arg gebeutelten Journalismus  sind.

Warum ist es so schwer zu akzeptieren, dass beides unabdingbar ist? Journalisten brauchen Social-Media-Plattformen wie Twitter, damit sie zumindest einen Teil jener Rezipienten erreichen, die keine klassischen Massenmedien mehr konsumieren. Auch Internetnutzer wollen Inhalte, auf die sie sich verlassen können, ohne dass sie diese selber auf den Wahrheitsgehalt überprüfen müssen. Inhalte, die journalistischen Qualitätskriterien wie verlässlich, glaubwürdig oder verständlich entsprechen.

Journalismus und seine digitale Zukunft

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Unter 2700 Journalisten haben sich die dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor umgehört, um Meinungen zum Journalismus in einem neuen Informationszeitalter zu bekommen. Die Ergebnisse haben sie im „Medien Trendmonitor 2010″ zusammengefasst. Zwei davon lauten:

  • Zwei von drei Journalisten sagen, dass sie fit sind für die digitale Zukunft.
  • Aber nur jeder vierte denkt das Gleiche von den deutschen Medienunternehmen.

In diesem Video sind die Resultate der Umfrage ebenfalls aufgelistet:

Vier Sätze für den Journalismus

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Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de der Süddeutschen Zeitung, hat in seinem Weblog (hoffentlich nicht nur die deutschen) Journalisten aufgerufen, ihre Einschätzung über die Zukunft des Journalismus in Antworten auf vier Fragen zu formulieren:

Das sollte jeder Journalist/jede Journalistin heute lernen: Der Weg der journalistisch aufbereiteten Information ist keine Einbahn mehr, es gibt eine leistungsstarke Gegenfahrbahn, die dem Leser, Hörer, Seher und User ganz neue  Möglichkeiten gibt … und das ist keine Katastrophe, sondern vielmehr eine interessante, herausfordernde Perspektive für unsere Arbeit.

Nutzerbeteiligung macht den Journalismus besser, wenn die Journalisten Leser, Hörer, Seher und User nicht mehr als heterogenes, anonymes und disperses Publikum sehen, sondern sie als gleichwertige Partner im Prozess der Informationsvermittlung akzeptieren, sie ernst nehmen  und entsprechend professionell handeln.

In zehn Jahren werden wir uns darüber wundern, dass in der heutigen Debatte wir Journalisten insgesamt so wenig Selbstbewusstsein zeigten. Die Strukturkrise der Medien, die Sparwut und das Streichkonzert der Medienunternehmer in den Redaktionen verdecken den Blick aufs Wesentliche:  Gut gemachter Journalismus ist in unserer demokratischen Gesellschaft und angesichts der Informationsflut, die permanent auf die Bürger niedergeht, unentbehrlich für die Kontrolle der Mächtigen und um den Bürgern Orientierung zu geben.

So könnte ein Geschäftsmodell für den Journalismus von morgen aussehen: Ich kenne es genauso wenig wie alle anderen. Ich weiß aber, dass wir uns endlich ernsthaft auf die Suche nach diesem neuen Geschäftsmodell, vielleicht auch diesen neuen Geschäftsmodellen machen müssen. Wir dürfen unsere Zeit nicht länger vergeuden, indem wir auf den Erfolg von Kopien von Althergebrachtem , wie paid content, hoffen oder an die Erlösung durch technische Geräte wie das iPad glauben.

PS: Es ist unausweichlich, dass die Reduktion auf wenige Sätze der Komplexität dieser grundsätzlichen, existenziellen  Fragen nicht gerecht wird. Vielleicht ist das ja Ausgangspunkt einer Diskussion nicht nur unter Journalisten, über die ich mich sehr freuen würde.

Die Zukunft des Social Web

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Chris Messina, Kämpfer für das Open Web und bei Google beschäftigt, sprach am 13. Mai 2010 beim PARC FORUM des Palo Alto Research Center über die Zukunft des Social Web und wie sie aufgehalten werden kann. Das Vortragsvideo dauert etwas mehr als eine Stunde, Chris Messina spricht auf Englisch.