Situation der Medien in den USA – dramatisch

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Das „Pew Research Center’s Project for Excellence in Journalism“ hat die 6. Ausgabe seines Berichts über die „Gesundheit und den Zustand des amerikanischen Journalismus“ veröffentlicht. Eindeutig, dramatisch, lesenswert.

Fernsehen und Internet – die zweite

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Eine neue Generation von Fernsehgeräten, die über einen Breitbandanschluss mit dem Internet verbunden sind – Philips Net TV (Bild links) oder Panasonic Viera Cast – könnten eine alte Idee aufleben lassen. Nämlich dem Fernsehen im Internet-Zeitalter eine Rolle im Medienmix zukommen zu lassen, die über die des Abspielgeräts für lineare, zeitabhängige Medienprodukte hinausgeht.

Die Kombination von Broadcast- und IP-Technologie im Fernsehgerät, könnte der guten, alten „Flimmerkiste“ einen neuen Schub an Attraktivität verleihen. So könnte die Röhre, die heutzutage ja schon sehr oft eine LCD-Matrix ist, auch bei jungen Medienkonsumenten wieder begehrter werden.

Das Nebeneinander von (zur Zeit noch ausgewählten) Webseiten und TV-Kanälen auf diesen Fernsehgeräten der neuen Generation kann nur der Beginn sein. Denn konvergente Technik wird erst durch kluge Crossmedia-Inhalte nützlich für den Konsumenten. Die nur technische Variante – zwei Geräte in einem – lässt Chancen, vor allem für den Journalismus, ungenützt.

Warum nicht … ein Beispiel:

Weil Sendezeit knapp ist, sind viele Nachrichten in einer Fernsehsendung kurz und bündig. Für manchen Zuseher sind sie zu kurz. Für denjenigen nämlich, der, anders als der Chef vom Dienst der Fernsehsendung, das Thema für wichtig und interessant hält, das in einem Meldungsfilm, in einer NiF, in gerade einmal 40 Sekunden abgehandelt wird. Aber auch nach ein zwei-Minuten-Bericht bleiben für Zuseher, die sich für ein Thema interessieren, noch Fragen offen, besteht weiterer Infomationsbedarf.

Dieser individuelle Anspruch an die Fernsehsendung könnte erfüllt werden, wenn während des Sendens dieses Kurzbeitrages und einige Sekunden danach auf den dafür geeigneten TV-Geräten ein Hinweis auftauchte, der beim Druck auf den roten Knopf der Fernbedienung zusätzliche Informationen zur Sache verspricht.
Der interessierte Fernsehzuschauer drückt den roten Knopf und wird, ohne dass es für ihn eines Mehraufwandes bedürfte, zum Internetuser. Er befindet sich nun in jenem Bereich auf der Website der Fernsehsendung, in dem das Thema, für das in der Fernsehsendung nur 40 Sekunden Platz war, ausführlich behandelt wird. Mit allen denkbaren medialen Möglichkeiten: Text, Foto, Audio, Video, Verlinkungen, interaktive Angebote, Forumseinträge … – alles, was das Thema journalistisch hergibt und was die Redaktion an Ressourcen zur Aufbereitung der Inhalte bereit stellen kann.

Der Rezipient versäumt nichts

Was der Konsument auch nicht bemerkt: Als er von der Nachrichtensendung im TV auf die Nachrichtenplattform im Web wechselte, begann der Festplattenrekorder seiner Settop-Box selbstständig, die Nachrichtensendung aufzuzeichnen. Zeitversetztes Abspielen einer Aufnahme, während die Fernsehsendung noch läuft, gehört schon heute zu den technischen Fähigkeiten jedes Festplattenrekorders.

Auf modernen Fernsehgeräten wird das Bild nicht mehr in mageren 625 Zeilen dargestellt, wie es die PAL-Norm vorschreibt, sondern in HDTV mit einer Auflösung bis zu 1920 x 1080 Bildpunkten. Daher ist auf dem Bildschirm ausreichend Platz, das laufende Fernsehprogramm in einem kleinen Fenster darzustellen, während sich der Konsument auf der Onlineplattform der Fernsehsendung bewegt. Die bestehende Bild-im-Bild-Technologie, wie sie z.B. im DVB-T-Multitext des ORF eingesetzt wird, zeigt, wie es aussieht.

Wenn der Konsument nun wieder vom Web zum Fernsehen zurückkehren will, dann hat er zwei Möglichkeiten zur Auswahl: mit einem Druck auf den – sagen wir – grünen Knopf entscheidet er sich dafür, die Nachrichtensendung an dem Punkt fortzusetzen, an dem er sie zuvor verlassen hatte. Der Druck auf den grünen Knopf startet also die Festplattenaufnahme der Nachrichtensendung und spielt sie zeitversetzt ab.

Zweite Möglichkeit: Wenn der Konsument auf den – sagen wir – roten Knopf drückt, kehrt er in das laufende Fernsehprogramm zurück.

Was es für so ein crossmediales Programmangebot braucht:

  • Eine Fernsehsendung – die haben wir.
  • Ein Nachrichtenportal im Internet – das haben wir. Aber die Onlineredaktion muss mit der Fernsehredaktion viel stärker verzahnt sein als bisher. Sie muss ausreichend Ressourcen zur Verfügung haben, um die zusätzlichen Inhalte qualitativ hochwertig aufbereiten und rechtzeitig publizieren zu können. Ein Newsdesk in einem crossmedialen Redaktionsumfeld ist für die Koordination der medienübergreifenden Aktivitäten wohl unerlässlich. Wichtig für die Budgetverantwortlichen in den Fernsehstationen ist, dass für diese neue „TV-Web-Connection“ kein Extra-Content generiert werden muss. Die Online-Berichterstattung, die vom Fernsehgerät aus angesteuert wird, ist über das Onlineportal auch zugänglich. Es entsteht lediglich ein neuer Vertriebskanal.
  • Die technischen Voraussetzungen, um Fernsehsendungen fit zu machen fürs Umschalten ins Netz.

Und schließlich ist es unbedingt nötig, dass Fernsehunternehmen an die Zukunft und die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit solcher Neuerungen glauben und diese ermöglichen, ja aktiv vorantreiben. Und wenn sie es nur deshalb tun, um den Stillstand zu überwinden, der die TV-Branche beim Starren auf Zuseherschwund und sinkende Werbeerlöse erfasst hat .