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Bedeutende Ereignisse ziehen viele Menschen an. Viele Menschen machen viele Fotos. 2008 wurden allein in Deutschland acht Millionen Digitalkameras verkauft. Dazu kommen die vielen Mobiltelefone, die mittlerweile Fotos in passabler Qualität machen können. Viele Menschen machen also viele Fotos. Und der Onlinejournalismus kann sich diesen Umstand zu Nutze machen.

Die Wortschöpfung „Crowdsourcing“, die 2006 von Jeff Howe und Mark Robinson vom Wired Magazine geprägt wurde, bezeichnet Tätigkeiten, die auf eine „Masse von Freizeitarbeitern im Internet ausgelagert wird, ist in Wikipedia zu lesen:

“ Eine Schar kostenloser oder gering bezahlter Amateure generiert bereitwillig Inhalte, löst diverse Aufgaben und Probleme oder ist an Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt.“

Zum Beispiel: Viele Menschen haben Bilder bei der Inauguration des neuen Präsidenten der USA gemacht. Viele stellen ihre Fotos der Öffentlichkeit zur Verfügung, schicken sie an eine ausgeklügelte Software, die daraus beeindruckende 3-D-Panoramen zum Ereignis generiert. Diese sind für jeden Internetbenutzer kostenlos abrufbar, sofern er über einen Breitbandzugang zum Netz verfügt. Denn die Datenmengen sind beträchtlich.

Im Fall der Amtseinführung von Barack Obama hat das kostenlose Microsoft-Programm Photosynth – für die Benutzung ist eine ebenfalls kostenlose Windows Live ID Voraussetzung – die bereit gestellten Fotografien verarbeitet, die von CNN online gestellt werden.

Diese Partizipation der User kann Vorteile für die Berichterstattung bringen: Zum einen wird die journalistische Arbeit um eine große Menge an Zeitzeugendokumenten bereichert, die in attraktiver Form dargeboten für sich schon ein Mehrwert für die journalistische Arbeit darstellen. Zum anderen schafft die persönliche Beteiligung bei den Urhebern der Fotos eine ganz neue Beziehung zur Berichterstattung. Sie sind nicht mehr passive Konsumenten, wie bei den Massenmedien der analogen Medienwelt. Sie sind jetzt vielmehr aktive Teilnehmer an der interaktiven, digitalen Medienwelt. Das erhöht die Aufmerksamkeit für das Medienprodukt. Aufmerksamkeit ist die Leitwährung in der neuen Medienwelt. Nur wer Aufmerksamkeit erregt, wird in der Flut der Onlineangebote wahrgenommen und konsumiert.

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Onlinejournalismus zu teuer?

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Nach nur einem Jahr hat nun das Online-Nachrichtenportal Zoomer.de, bei dem Ulrich Wickert als einer der Herausgeber firmiert, sein Ende angekündigt. Chefredakteur Frank Syré schrieb Anfang Februar in eigener Sache:

„Die Wirtschafts- und Medienkrise hat bei uns und in unserem Mutterkonzern durchgeschlagen. Ein teures Experiment, das wir nunmal sind und waren, ist unter diesen Rahmenbedingungen nicht durchzuhalten.“

Der Versuch scheiterte, ein Online-Portal mit dem Anspruch an hohe journalistische Qualität einigermaßen wirtschaftlich zu betreiben – Zoomer.de beschäftigte mehr als drei Dutzend Redakteure. Aber wer bezahlt für die journalistische Arbeit? Wer bezahlt dafür, dass pbulizierte Inhalte gut recherchiert, verständlich aufbereitet, glaubwürdig sind?

Der Wissenschaftsjournalist Peter Artman macht sich in seinem Blog Gedanken über die Zukunft des Onlinejournalismus.

Die Tageszeitung in der Todesspirale

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In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung malt Marc Fisher, mehrfach ausgezeichneter Redakteur der „Washington Post“, den Teufel an die Wand, was die Zukunft des Qualitätsjournalismus angeht:

„Derzeit ist die berufliche Existenz einer ganzen Journalistengeneration bedroht. Und selbst diejenigen, die ihre Jobs behalten dürfen, verlieren zunehmend an Einfluss. Sie mühen sich mehr ab als je zuvor und haben dadurch weniger Zeit für Qualitätsarbeit. Der Zusammenbruch des klassischen Geschäftsmodells journalistischer Arbeit hat letztlich dazu geführt, dass wir in einer
Welt leben, in der zwar immer mehr Informationen verfügbar sind, sich die professionellen
Berichterstatter aber um ihre Zukunft sorgen müssen. Auf diese Weise nimmt die
Qualität der gesamten Medienberichterstattung stetig ab. Das sollte nicht nur Journalisten Sorgenfalten auf die Stirn treiben, sondern allen Bürgern.“

Auch auf die Frage nach der Zukunft der Tageszeitung hat Fisher in diesem Interview eine klare Antwort – für ihn gibt es keine:

„Ich möchte wirklich nicht übertreiben, aber wenn ich ehrlich bin, wird es nicht einmal mehr fünf Jahre dauern, bis Zeitungen verschwinden. Der Auflagenrückgang beschleunigt diesen Prozess mit einer solchen Geschwindigkeit, dass viele Fachleute in den USA inzwischen von einer „Todesspirale“ sprechen. Wenn man sich darauf einlässt, wird die Beschleunigung noch weiter angefeuert, sprich: Je mehr wir darüber reden, desto schlimmer wird es.“

Und in Europa? In Österreich?