Die Inhalte lassen sich nur zu fix vorgegebenen Zeiten konsumieren; der unablässige Strom von bewegten Bildern und Tönen verdammt den Konsumenten zum passiven Zusehen. Fernsehen verliert an Beliebtheit. Immer mehr – vor allem junge – Medienkonsumenten greifen zur Alternative, zum Internet, wo Videos zu jedem beliebigen Zeitpunkt angesehen werden können. Außerdem lassen sich Internetangebote vom Nutzer steuern. Individuell. Sie sind interaktiv.

Die Idee, das gute alte Fernsehen interaktiv zu machen, ist alt. Die bisherigen Versuche waren aber nicht von besonderem Erfolg gekrönt. Die ARD macht nun einen Anlauf und bietet den Versuch „Tagesthemen Interaktiv“ an. Haben frühere Versuche für interaktives Fernsehen, wie zum Beispiel die beiden Projekte der „Plattform Digitales Salzburg“ (Disclaimer: Der Autor dieses Blogs ist Obmann des Vereins „Plattform Digitales Salzburg„) noch den Fernsehapparat als Ausgabegerät gewählt, so sind die interaktiven Tagesthemen der ARD ausschließlich über Internet abrufbar.

„Uns ist klar, dass es auf Dauer zu wenig sein wird, lediglich Fernsehsendungen ins Netz zu stellen. Das wird den Möglichkeiten des Mediums nicht gerecht“, schreibt Chefredakteur Kai Gniffke im Blog der Tagesschau. Die Nutzer sollen nun anhand der bereit gestellten Probesendung entscheiden, ob eine Darbietung wie „Tagesthemen Interaktiv“ diese Möglichkeiten nutzt und akzeptiert wird.

Betonung auf Probesendung. Das Testen erfordert Geduld, die Ladezeiten sind selbst mit einer leistungsstarken Breitbandanbindung sehr lang. Abgesehen davon ist es ganz reizvoll, die Moderatorin, den Ablauf der Sendung mit einem Mausklick zu unterbrechen, um Video-Beiträge abzurufen, die den Hintergrund des gerade behandelten Themas beleuchten oder den Nutzer übre die Vorgeschichte aufklären. Das Fernsehen wird auf Wunsch des Nutzers non linear – für IPTV (Sendungen werden über Datenleitungen und Internetprotokoll auf den Bildschirm dargestellt) könnte das funktionieren – wenn es gelingt, das traditionelle passive Nutzungsverhalten der Konsumenen vor dem Fernsehgerät zu ändern.

Für das Internet mit dem Ausgabegerät Monitor scheint mir das Konzept von „Tagesthemen Intraktiv“ zu kurz gegriffen. Anders als das Fernsehen kann das Internet mit allen zur Verfügung stehenden Medien umgehen – auch mit Text und Fotos, mit Audio (ohne Bild ;-)) und Grafiken. Jedes dieser Medien hat seine ganz eigenen Stärken – Text zum Beispiel eignet sich viel besser zur Berichterstattung, die in die Tiefe geht, zur Darstellung abstrakter Sachverhalte als Fernsehen.

Fernsehen wird den Möglichkeiten des Internet nur dann gerecht, wenn es auch die Grenzen seiner traditionellen Darstellungsmöglichkeiten durchbricht und die Darstellungsformen der anderen klassischen Möglichkeiten (Print, Hörfunk) integriert. Das Stichwort lautet: konvergenter Journalismus.

Dennoch, der Versuch von Innovtionsabteilung und Tagesthemen der ARD, neue Möglichkeiten für das Fernsehen im Internet zu suchen, ist beherzt und notwendig. Die meisten anderen Fernsehstationen belassen es dabei, das Internet zur Lagerstätte – positiv formuliert: zum Archiv – bereits gespielter Fernsehsendungen zu degradieren.

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