Eine heftige Debatte ist zwischen dem amerikanischen Journalisten und Kolumnisten des Web-Magazins Slate, Ron Rosenbaum, und Jeff Jarvis, Journalist und außerordentlicher Professor für interaktiven Journalismus an der City University of New York, entbrannt; eine Debatte über die Frage, wie viel Schuld die Journalisten selber an der aktuellen Krise des Journalismus haben.

Der nicht mehr aktive Journalist Jarvis zeigt sich kompromisslos bei seinen Schuldzuweisungen. In seiner Kolumne im Guardian lässt er keinen Zweifel daran, wer für ihn die Verantwortung trägt:

„Der Niedergang des Journalismus ist die Schuld der Journalisten. Es ist unsere Schuld, dass wir die Veränderungen nicht früh genug auf uns zukommen sahen und unser Handwerk nicht auf den Übergang vorbereitet haben. Es ist unsere Schuld, dass wir die Möglichkeiten nicht beim Schopf ergriffen haben, die uns die neuen Medien und die neuen Beziehungen zum Publikum geboten haben. (…)“

Jarvis antwortete in seiner Kolumne auf Paul Farhi von der Washington Post, der in einem Beitrag für das American Journalism Review nicht den Journalisten in den Redaktionen die maßgebliche Schuld am wirtschaftlichen Niedergang der Tageszeitungen in den USA gibt:

„Das Problem hat wenig mit Berichterstattung, Verpackung und Verkauf von Information zu tun. Es ist viel größer als das. Zu den schwerwiegendsten Bedrohungen gehört der Verlust von Kleinanzeigen, die sinkende Zahl von Inseraten und die Verschuldung der Medienunternehmen. (…)“

Ron Rosenbaum in seinem Beitrag nun unterstellt Jeff Jarvis Hartherzigkeit und überhebliches Unverständnis, was die Aufgaben und Anforderungen an einen Journalisten betrifft:

„Ja, nach der Logik von Jarvis, waren die hart arbeitenden Reporter, die nun auf der Straße stehen, Narren: Sie verbrachten ihre Zeit nicht damit herauszufinden, wie sie sich multimedial in Position bringen können. Ich denke da an John Conroy, der jahrelang über Polizeifolter schrieb für die Zeitung Chicago Reader, der nun pleite ist und Conroy kündigte, gerade als nach Jahren seiner Berichterstattung (100.000 Worte!) die offiziellen Erhebungen in der Affäre begonnen hatten. (…)“

Eine Zusammenfassung der Debatte und eine Analyse und Bewertung des Themas aus seiner Sicht steuert der Journalist Ken Sands in den E-Media Tidbits auf Poynter Online bei:

„Meiner Meinung nach macht Jarvis den konkreten Versuch, ein neues Geschäftsmodell für Nachrichten zu inspirieren. Allerdings werden unterentwickelte Geschäftsmodelle viele Journalisten nicht glücklich machen – und das scheint der Kern des Konflikts zu sein. Jarvis stellt unmissverständlich klar, dass er weniger daran interessiert ist Journalisten zu retten als vielmehr den Journalismus an sich. (…)“

Und bei uns, in Österreich, in Deutschland, in der Schweiz, in Europa? Auch bei uns wird der Journalismus als in der Krise wahrgenommen, die klassischen elektronischen und Print-Medien kämpfen mit wirtschaftlichen Problemen. Wie sieht es bei uns mit derMitverantwortung der Journalisten aus?

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