In den USA ist Wahlkampf, in Österreich ist Wahlkampf. Die Massenmedien sind voll davon. Die Quantität des Publizierten ist unübersehbar – wie ist es aber um die Qualität der Wahlkampfberichterstattung bestellt? In den Vereinigten Staaten offensichtlich nicht besonders gut, wie ein Blogeintrag des Politikexperten der Tageszeitung Kurier, Uwe Schwinghammer, mit dem Untertitel vermittelt: „Der Eindruck einer einseitigen Berichterstattung in diesem Wahlkampf verdichtet sich„. Als einen Grund nennt Schwinghammer in dem Eintrag die auffällige und offene Parteinahme für Barack Obama.

Nun sagen Leute, die als Experten für die Innenpolitik in den USA sind, dass es dort nicht ungewöhnlich sei, wenn sich große Publikationen wie die „Los Angeles Times„oder die „Financial Times“ ganz offen dazu bekennen, dass sie einen Kandidaten für den Präsidentschaftswahlkampf unterstützen – in diesem Fall Barack Obama.

Im österreichischen Wahlkampf hingegen ist es ein Novum, dass sich eine Tageszeitung ganz offensichtlich für einen Spitzenkandidaten im Nationalratswahlkampf engagiert. Die „Kronen Zeitung“ für Werner Faymann, SPÖ: (1), (2),(3), (4).

Hier soll es gar nicht um die Frage gehen, ob eine solche massive mediale Unterstützung für einen Kandidaten letztlich wahlentscheidend ist – der Politologe Peter Filzmaier beispielsweise sieht dafür keinen Beleg.

An dieser Stelle sollen vielmehr Zweifel daran angemeldet werden – für die USA genauso wie für Österreich -, dass die offene oder auch nur offensichtliche Parteinahme für einen Politiker, der sich zur Wahl stellt, mit den (hoffentlich) noch gültigen Parametern journalistischer Arbeit in Einklang zu bringen ist.

Qualitätsjournalismus
verlangt unbeeinflusste, unparteiische, ausgewogene und faire Berichterstattung. Das schafft jene Glaubwürdigkeit, die wir Journalisten uns von unseren Lesern, Sehern, Hörern und Usern wünschen … auch wenn viele Kollegen diesen Wunsch offensichtlich schon ad acta gelegt haben: 1999 hielten 28 Prozent der US-Journalisten Glaubwürdigkeit für das wichtigste Gut im Journalismus, 2004 waren es nur noch neun Prozent – nachzulesen im US-Jahresbericht für Journalismus. Den Journalisten in den USA ist diese Entwicklung bewusst, nur noch 20 Prozent der Befragten glauben, dass sie gute Arbeit machen. Als Grund nennen sie vorwiegend die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen.

Für Österreich fehlen entsprechende Untersuchungen. Was hierzulande aber erhoben wurde ist die Sicht der anderen Seite, wie nämlich Medienkonsumenten die Journalisten einschätzen. Zum Beispiel hat „Reader’s Digest “ heuer auch unter 1000 Österreichern das Vertrauen in unterschiedliche Berufsgruppen abgefragt. Demnach genießen wir Journalisten das Vertrauen von nur 24 Prozent der Befragten (Politiker liegen mit 8 % immerhin noch schlechter).

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