Leere Versprechen … unnötig!

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Im Weblog der Journalisten-Ausbildner in Darmstadt erfahre ich, dass „Focus Online“ neue Webvideo-Formate anbietet, darunter eines mit Namen „Focus-Online-News Navigator„. Von der Moderatorin der Sendung, Isabella Kroth, erfahre ich in der ersten Sendung die hehren Ziele des neuen Webvideo-Angebots: „Wir navigieren Sie durch den täglichen Meldungs- und Informationsdschungel.“

Ein verlockendes Versprechen in Zeiten der gnadenlosen Informationsüberflutung, zumal das Angebot der verlässliche Kompass für das tägliche Nachrichtengeschehen sei: „Wir zeigen Zusammenhänge, klopfen Meldungen auf ihren Gehalt ab und lassen aus mancher Medienblase die Luft entweichen.“

Beim Anschauen einiger der Sendungen, die auf der Playlist der übersichtlichen Seite angeboten werden, entweicht die Luft aus dieser Versprechensblase rasch: Drei Themen pro Sendung, die knapp viereinhalb Minuten dauert. Die bemühte Moderatorin, die auch die Nachrichtenredakteurin ist, präsentiert den Text. Videosequenzen werden eingespielt, über die Moderatorin gelegt.

Das ist ein alt bekanntes Strickmuster, wie es im Netz auch von „Spiegel Online„, von „Welt Online„, von der Onlineausgabe von „Österreich“ oder im Fernsehen in den „ZiB Flashes“ von ORF 1 (noch nicht on demand verfügbar) und vielen anderen eingesetzt wird: Kurze Information zum raschen Überblick.

Aber Zusammenhänge und in die Tiefe Gehendes bleibt auch das neue Webvideo-Angebot von FOCUS schuldig.

Mit Verlaub: Das Experteninterview der Präsentatorin mit FOCUS-Online-Sportredakteur Martin Vogt über die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft im EM-Viertelfinale in der Ausgabe vom 19. Juni 2008 ist bieder und ähnelt den vielen Analysen, die an diesem Tag in den Medien landauf landab zu lesen sind.

Die Versprechen von FOCUS halten der Überprüfung nicht stand.

Bleiben zwei Fragen:

  • Warum muss ein neues Webvideo-Angebot, das auch nicht schlechter als viele andere gemacht ist, mit Marketingphrasen Erwartungen wecken, die dann nicht erfüllt werden? (liebe Verantwortliche bei FOCUS: die User nicht nicht so blöd, dass sie das nicht merken! – Anmerkung des Autors).
  • Warum wird nicht ein Webvideo-Format angeboten, das in der unübersichlichen Vielfalt der Nachrichtenangebote und der täglichen Informationsflut tatsächlich die Versprechen erfüllt, die FOCUS gemacht hat?

Navigation durch die tägliche Informationsflut, Zusammenhänge aufzeigen, Hilfe bei der Einordnung und Bewertung von Ereignissen … viele User wären dankbar für die Hilfe bei der Bewältigung der Informationsfülle, die ständig auf sie niederprasselt.

Ein solches Angebot wäre dringend nötig und das Internet böte die Möglichkeiten dazu.

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Die kostenlose Alternative zu DVB-H …

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Und noch einmal ein – zumindest vordergründig – Technikbeitrag, noch einmal zum Fernsehen auf Mobiltelefonen. DVB-H ist ja nun in Österreich empfangbar – zumindest in den vier Austragungsstätten der Fußball-EM, in Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt. Zur Zeit sind es 14 Fernseh- und fünf Radioprogramme . Bei drei Providern, bei zweien davon bis Ende des Jahres kostenlos. Dann zum Preis von neun Euro pro Monat.

Warum aber soll der mobile Fernsehkonsument Geld für eine Leistung bezahlen, die er im beinahe selben Umfang und an viel mehr Orten kostenlos empfangen kann? Über DVB-T nämlich. Das digitale Antennenfernsehen ist zum einen kostenlos, zum zweiten schon in weiten Teilen Österreichs empfangbar und drittens bietet es – zumindest im Norden des Bundeslandes Salzburg – nicht nur die sechs Fensehprogramme vom Sender Gaisberg, sondern auch noch zwölf deutsche, öffentlich-rechtliche Programme vom Sender Untersberg.

Einzige Voraussetzung ist ein entsprechendes Mobiltelefon, das DVB-T empfangen kann. Die sind noch Mangelware (zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Beitrag schreibe, gibt es gerade ein einziges geeignetes Modell auf dem Markt!).

Warum also Geld für DVB-H-Empfang ausgeben? Das würde nur Sinn machen, wenn dafür Programme angeboten würden, die speziell auf das Nutzungsverhalten von Fernsehen auf Mobiltelefonen abgestimmt wären.

Diese Programme gibt es zur Zeit nicht. Weil Sie angeblich zu teuer sind. Es wurde also eine neue Vertriebsschiene für Fernsehen geschaffen, ohne dass die dafür passenden Inhalte angeboten werden. Sollte DVB-H vom Konsumenten nicht angenommen werden, heißt es hoffentlich nicht, dass Fernsehen für das Mobiltelefon gescheitert ist. Was der Konsument tatsächlich abgelehnt hat, sind Fernsehsendungen, die fürs „große“ Fernsehen poduziert und nur auf die Größe eines Handydisplays zusammengequetscht wurden.

Fernsehprogramme für Handys sehen anders aus …

Das Wunder von A1: HDTV fürs Handy

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Ich wollte es nicht glauben und rief daher die Serviceline von A1 an (0800 664 664). Die junge, ausgesprochen freundliche junge Dame, die sich um meine Wünsche bemühte, bestätigte das Unglaubliche: A1 bietet bietet in seiner „Shopworld“ – die Broschüre lag heute einer Tageszeitung bei – hochauflösendes Fernsehen für Mobiltelefone an!

„Ja“, sagte die freundliche Stimme in der Serviceline, HD Mobile TV von A1, wie in der Broschüre auf Seite sechs getitelt wird, bedeute „High Definition Mobile TV von A1“. „Mobiles Fernsehen erleben Sie immer und überall in gestochen scharfer Bild- und Tonqualität,“ wiederholt die freundliche Stimme den Text aus der Broschüre, in der eine Zeile tiefer noch einmal bestätigt wird: „Alle 31 Spiele der UEFA EURO 2008 in HD Qualität anschauen. Und auch auf der A1 Website finde ich diese Information.

Das Wunder von A1: Der Mobiltelefonieanbieter schafft es, hochauflösendes Fernsehen auf einen Handybildschirm mit 320 x 240 Pixel zu quetschen.

Oder ist es nur ein plumper Werbegag, der A1 auf Käufer hoffen lässt, die das Modewort HD gehört haben, aber nicht wissen, was hochauflösendes Fernsehen ist.

Die nicht wissen, dass HDTV der digitale Fernsehstandard für möglichst große Fernseher ist. HDTV wird als „HD ready“ mit 1280 x 720 Bildpunkten und als „full HD“ mit 1920 x 1080 Bildpunkten geliefert.

Für Mobiltelefonie ist allerdings ein anderer Standard zuständig: DVB-H für Handy-Bildschirme mit 320 x 240 Bildpunkten.

HD, also hochauflösendes Fernsehen, für Handys gibt es also gar nicht. Es ist ein Werbegag. Wenn nicht – ja wenn nicht A1 das Wunder schafft …