Auf immer mehr Online-Portalen von Tageszeitungen sind Videos feste Bestandteile der Berichterstattung. Print liebt Video – das steht auch in der Medienspiegel-Umfrage „Onlinejournalismus 2008“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zu lesen: Fast sechs von zehn Onlineablegern deutscher Tageszeitungen bieten Filme mit lokalen und regionalen Nachrichten. Nicht viel weniger, nämlich 55,6 Prozent, stellen Filme mit überregionalen Nachrichten zum Abruf bereit.

Die Spezialisten fürs gedruckte Wort entdecken die bewegten Bilder. „Der Westen„, das noch recht junge Portal der WAZ Mediengruppe, setzt sogar Maßstäbe. In der Reportage „Die verlorenen Straßen von Bruckhausen“ sind Text und Video die maßgeblichen Medien der Berichterstattung. Dabei wird die Geschichte vom Abriss ganzer Straßenzüge im Norden von Duisburg nicht in einer Printversion erzählt, die von einem redundanten Videobericht des selben Inhalt flankiert wird. Vielmehr ergänzen einander Text und Video – ein schönes Beispiel für Multimedia Reporting.

Noch fehlt die Möglichkeit, die Reportage nonlinear zu konsumieren – die umfangreiche Arbeit muss in einem Stück, von vorne nach hinten gelesen werden; noch fehlen abgesehen von einer Landkarte und dem Diskussionsforum interaktive Elemente bzw. Web-2.0-Angebote. Aber die Reportage ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Video und Text ergänzen können, dass journalistische Konvergenz nicht ein Nebeneinander der einzelnen Medien, sondern ein Miteinander ist, in dem die Stärken der jeweiligen medialen Darstellungsform genutzt werden.

Noch sind diese Beispiele auf deutschsprachigen Online-Portalen selten. Wohl auch deshalb, weil ihre Produktion aufwändig ist, Ressourcen verlangt, die im von Aktualität getriebenen Alltag der Onlineredaktionen nicht unterzubringen sind.

Noch ist das Nebeneinander von Text und Print die Regel. Wie im neu gestalteten Portal der Münchner „Abendzeitung„, wo neben Artikeln mit Texten und Fotos „Abendzeitung.tv“ mit solide gemachten, klassischen Fernsehbeiträgen abzurufen ist.