Wir Journalisten rühmen uns gerne, die Kontrollore der Gesellschaft zu sein, vor allem die Kontrollore der Politiker und ihres Handelns. Deswegen schützt die Medienfreiheit die Arbeit der Journalisten, damit sie ihrem öffentlichen Informations- und Kontrollauftrag möglichst ungehindert nachkommen kann. Soweit der Anspruch. Die Realität sieht ganz anders aus: Nachrichten sind Ware; journalistische Qualitätsbegriffe wie Objektivität, Ausgewogenheit, Glaubwürdigkeit und Faktentreue sind Lippenbekenntnisse.

Wo hört die Medienfreiheit auf und wo beginnt die Verantwortung der Medien? Das war eine der Fragestellungen heute beim Symposium „Medienfreiheit, Medienmacht und Persönlichkeitsschutz„, das sich das Österreichische Institut für Menschenrechte als Geschenk zu seinem 20. Geburtstag gemacht hat. Universitätsprofessor Dr. Walter Berka thematisierte die Spannung zwischen der Freiheit und der Verantwortung der Medien in seinem Einführungsreferat. Und war sich grundsätzlich mit dem Herausgeber des Falter, Armin Thurnher, einig, der bei der Verleihung eines Preises im Mai 2007 gesagt hatte: „Nicht Zensur oder Terror sind die größten Bedrohungen der Meinungsfreiheit. Es sind die Medien selbst, die sich gefährden. Wenn ihre Gier nach Aufmerksamkeit keine Rücksicht mehr nimmt.“

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